Wunder gibts doch eh nicht mehr...

Impuls des Monats

So viel sollte ja in der aufgeklärten Welt wohl klar sein: brennende Dornbüsche und sich trennende Meere sind zu biblischen Zeiten noch voll in Mode gewesen, aber heutzutage gibt es so was halt nicht mehr. Da muss man sich in seinem Gottvertrauen schon ganz auf einseitige Kommunikation verlassen. Das ist ein wenig wie das Verschicken einer Email an den heimlich angehimmelten Promi. Wenn man Glück hat, kommt sie an, aber eine Antwort sollte man besser nicht erwarten.
Aber stimmt das wirklich so? Um ehrlich zu sein kann ich mir das gar nicht vorstellen. Ich denke, jeder von uns erlebt sogar ziemlich oft Gottes Einwirken in seinem Leben. Denn seien wir mal ehrlich, in Anbetracht dessen, was Jesus für uns gegeben hat, kümmern wir uns im alltäglichen Leben doch oftmals recht wenig um ihn. Das wäre ja auch nicht weiter schlimm, man hätte sich sein Süppchen eingebrockt und müsste dann irgendwann zusehen, wie man sich für ein völlig verschwendetes Leben rechtfertigt. Aber da ist noch immer jemand, der sich nicht mit Wirst-schon-sehen-Miene zurücklehnt und uns laufen lässt. Immer wieder, mal ganz leise und vielleicht auch mal bombastisch rüttelt Jesus an unserer Tür.
Ihr mögt jetzt die Stirn runzeln oder mir den innerlichen Vogel zeigen, da ihr auf eurer persönlichen Glaubensflucht vielleicht noch nicht vom Fisch verschluckt und dorthin gebracht wurdet, wo ihr wirklich sein solltet, aber ich möchte trotzdem kurz an zwei kleinen Beispielen zeigen, was ich meine.
Das erste Erlebnis, von dem ich euch erzählen möchte, liegt schon ein paar Jahre zurück. Ich hatte gerade meinen Zivildienst angefangen und wohnte zum ersten Mal nicht mehr bei meinen Eltern. Es war also durch den ersten regelmäßigen Job und die erste Wohnung in fremder Umgebung eine sehr spannende Zeit und ich hatte alles im Kopf, aber bestimmt nicht den Glauben. Ich habe mich also in diesen ersten Wochen dann auch irgendwann nach einem Sportverein umgesehen und verschiedene Sachen ausprobiert. Einmal besuchte ich daher auch eine Trainingseinheit eines Tae Kwon Do Klubs. Allerdings hatte ich mir haargenau den Tag ausgesucht, an dem die Prüfungen abgehalten wurden und es kein Training gab. Ich war schon halb auf dem Weg nach draußen, als sich mir ein Mitglied des Vereins als Tim vorstellte und meinte, dass er mit seiner Prüfung schon fertig sei und wir also auch ein wenig Sport in der zweiten Hallenhälfte treiben könnten. Die Idee war schnell gefasst, er wollte mir zeigen, wie man einen Salto macht. Das Ganze lief auch bis zu dem Punkt, da ich auf die schützende Matte verzichten sollte, ganz gut. Dann jedoch war es mir aus irgendeinem Grund nicht mehr möglich abzuspringen. Immer wieder nahm ich Anlauf und lief am geplanten Absprungpunkt vorbei. Tim schaute sich das eine Weile an und meinte dann völlig unvermittelt zu mir "Sag mal, glaubst Du an Gott?". Ich war vollends verblüfft, dass der 16-jährige, den ich kaum eine halbe Stunde kannte, nun so ein Thema auffuhr und antwortete mit einem spontanen Ja. "Wieso hast Du dann Angst zu springen?". Da wusste ich nun wirklich absolut keine sinnvolle Antwort mehr.
Mit dem Springen wurde es zwar an dem Tag nicht mehr viel, aber Tim hatte mir etwas viel Wichtigeres wieder in Erinnerung gerufen: Da ist jemand, der fängt Dich!
Das zweite Beispiel ist kürzer und ereignete sich erst vor einer Woche. Erneut bin ich umgezogen, wieder ist alles neu und der Kopf voll mit allerhand Dingen, die zu organisieren sind. Und wieder muss ich mir eingestehen, dass Jesus da zu kurz kam. Ich marschiere also durch die Straßen meiner neuen Heimatstadt, in der ich seit zwei Tagen lebe und habe mich hoffnungslos verlaufen. Vor mir sehe ich an einer Kreuzung Schilder mit Straßennamen. Als ich näher herantrete um die Schilder zu lesen, fällt mir noch ein weiteres Schild auf, das jemand an diesem Pfahl befestigt hat. "God roept u!" steht da, "Gott ruft Dich!", die Werbung einer lokalen evangelischen Gemeinde...

Verabschieden wir uns also von der Idee, dass Gott keine Wunder mehr an uns und um uns wirkt. Meistens sind es wohl einfach nur wir selbst, die nicht hinsehen wollen... Wunder müssen nicht immer eine vor einem herziehende Feuersäule sein, denn manchmal wirkt schon ein kleines Schild, das gleich auf zweierlei Art den Weg zeigt, wahre Wunder...