Wo hat Gott dich dieses Jahr bewegt?

Impuls des Monats

In meine Gedanken stelle ich mir gerade immer wieder die Frage, was mich in diesem Jahr bewegt hat. Vor allem: wo hat mich Gott dieses Jahr bewegt?

Ich möchte Dir von einer älteren Dame erzählen, die ich kennenlernen durfte.

Emma* ist circa 70 Jahre alt. Sie ist relativ klein, hat dunkle Haare, die schon leicht ergrauen und im Gesicht zeichnen sich viele Falten ab. Sie läuft mit einem Rollator, da ihr das Gehen nicht mehr so leicht fällt.

Wir kamen ins Gespräch und ich durfte viel erfahren. Als Kind hat sie viel gearbeitet und ihre Familie auf einem Bauernhof unterstützt. Als sie ungefähr 16 Jahre war, hatte sie in einem Urlaub mit Freunden einen schweren Unfall und ihr Körper ist ungelogen von den Füßen bis zum Hals mit Brandnarben übersät. Sie lag zwei Wochen im Ausland im Krankenhaus, dann lange in Deutschland in einer Spezialklinik. Ein Tiefschlag. Sie war jung und unglaublich attraktiv. Dennoch lernte sie ihren Mann kennen, sie heirateten und bekamen einen Sohn und lebten auf dem Hof ihrer Eltern. Neun Jahre nach der Geburt verstarb ihr Mann unerwartet und sie war mit ihrem Sohn allein. Wumm. Wieder ein Schlag. Als ihr Sohn ungefähr 18 Jahre war, erlebte sie einen schweren Schlaganfall und lag drei Monate im Koma, sie lernte neu zu sprechen, zu laufen und zu leben. Emma arbeitete gern, doch ging es nicht mehr so gut. Und jetzt hat sie eine schlimme Lungenentzündung und wieder einen Schlaganfall. Ihr Sohn wohnt weiter weg.– Sie ist allein und erlebte bis heute immer wieder Rückschläge.

Im Gespräch sagte sie zu mir: "Wissen Sie, ich fühle mich gerade so klein..." - und sie zeigte dabei zu ihren Füßen - "... und am liebsten würde ich sterben."

Ich schaute sie an und konnte es kaum glauben. Ich fand, dass sie unglaublich viel erlebt hat und immer wieder neu gekämpft hat und gab meine Gedanken an sie weiter. Daraufhin entgegnete sie: "Junge Frau, glauben Sie mir... Wüsste ich nicht, dass Gott mich noch hier haben möchte, wäre ich nicht mehr hier. Aber so gehorche ich und mache weiter."

Diese Frau, die mir dazu ein bezauberndes Lächeln schenkte, hat mich an diesem Tag ganz tief berührt. Sie ist allein, sie erlebte viel Leid – dennoch ist sie jeden Tag mit Gott in Kontakt.

Es spielt keine Rolle, was ich alles erlebe und wie kraftlos und müde ich mich manchmal fühlen mag, denn Gott ist für mich. Mir kann nichts passieren, auch wenn ich kein Ziel vor Augen habe: Gott hat einen Plan für mein Leben. Er schenkt mir die Kraft immer wieder aufzustehen.

In der kommenden Adventszeit möchte ich Dich einladen darüber nachzudenken, von wem oder was Du in diesem Jahr berührt und bewegt wurdest.

*Name geändert