Schrankwanddasein- oder Auszüge aus dem Tagebuch einer deutschen Durchschnittsbibel

Impuls des Monats

1.Januar:    Was für ein schöner Tag! Ich werde voller Elan und Enthusiasmus gelesen, ein paar meiner Verse werden sogar farblich markiert!!
13. Januar:    In meinem Leben wird es schon wieder langweiliger, verbringe wieder mehr Zeit im Regal. Sieht so aus als ob ich ziemlich bald wieder in Vergessenheit gerate.
3. März:    Frühjahrputz. Ich werde wie alle anderen Bücher abgestaubt und zurück in Regal befördert.
22. März:    Paula blättert wie wild in mir herum, sie ist auf der Suche nach einem Konfirmationsspruch. Ein bisschen rücksichtsvoller könnte sie meine empfindlichen Seiten schon behandeln!
5. Mai:    Heute habe ich zum ersten Mal das Gemeindehaus besucht, mein Besitzer hat mich mitgenommen.
6.-9. Mai:    Mein neuer Platz ist der Schreibtisch, in mir wird jetzt viel gelesen, das tut richtig gut!!!
20. Juni:    Hausputz: Ich werde abgestaubt und ins Regal zurückbefördert.
7. August:    Es geht auf Reisen! Ich werde zusammen mit Sonnencreme und Flip- Flops in einen Koffer gepackt. Was wohl für ein Abenteuer auf mich wartet?
10. August:    Immer noch im Koffer.
12. August:    Seltsam alle Dinge aus dem Koffer werden benutzt, nur ich nicht. Fühle mich schon ganz einsam alleine im großen Koffer!
14. August:    Wieder im Regal. Warum wurde ich eigentlich mitgenommen?
17. Oktober:    Es werden bunte Ahorn- Blätter zum Pressen zwischen meine Seiten gelegt. Das tut mir gar nicht gut, einige Seiten wellen sich bereits.
2. Dez.:    Ich werde abgestaubt und bekomme einen neuen Platz, da ich der Weihnachtsdeko weichen muss.
24. Dez.:    Eine kurze Geschichte von mir wird vorgelesen, dann komme ich zurück ins Regal- für wie lange wohl dieses Mal?


So oder so ähnlich wird es schätzungsweise einer Vielzahl von Leidensgenossen der uns eben vorgestellten Bibel gehen. Aber warum sollte man dieses Jahrtausende alte Buch, die Bibel, öfter mal aus dem Schrankwanddasein befreien? In Psalm 119,105 heißt es: "Dein Wort ist eine Leuchte für mein Leben, es gibt mir Licht für jeden nächsten Schritt." Bitte? Damit ist die Bibel so etwas wie mein ganz persönliches Navigationsgerät, mein GPS für jeden Tag. Nun ist es mit einem Navi ja nicht immer so ganz einfach, wer kennt sie nicht, die tollen Anweisungen mitten auf der vierspurigen Autobahn: "Bitte wenden!". Oder mitten im ungekannten Großstadtdschungel: "Route neu berechnen!", was einem manchmal in leichte Panikattacken versetzen kann. Wenn es ganz schlimm kommt, sagt ein Navi auch schon mal "Offroad!" (kein Scherz!!!), aber letztendlich bin ich eigentlich immer am Zielort angekommen, wenn auch manchmal über Umwegen. Nach meiner Erfahrung braucht es zwei Voraussetzungen, um mit einem Navi gut klarzukommen. Erstens: Vertrauen. Ich muss der GPS-Technik Vertrauen schenken, denn sonst macht ihr Gebrauch wenig Sinn, wenn ich ständig die Wegweisungen anzweifeln würde. Zweitens: Übung und Erfahrung. Ich muss mich mit Technik und Eigenschaften des Geräts vertraut machen und auseinandersetzen.

Gleiches gilt auch für den Umgang mit der Bibel. Wenn Gottes Wort zu einer ‚Leuchte im Leben', also zu einer Art Navi, werden soll, dann muss ich mich darauf einlassen und IHM vertrauen schenken. Und je öfter ich mich mit der Bibel beschäftige, mich mit ihr auseinandersetzte, desto besser kann ich Seine message auf mein Leben anwenden. Und zwar und gerade auch dann, wenn ich das Gefühl habe "Offraod" zustehen und, dass ich die Route, die ich eingeschlagen habe, neu berechnen sollte. Gerade dann schreitet Gott ein und führt mich auf spannende neue Wege. Also, es lohnt sich die Bibel aus ihrem Schrankwanddasein zu befreien und sich mit ihr zusammen durch die Wirren des Alltags zu kämpfen!