Ob ich schon wanderte im finstern Tal

Impuls des Monats

Quelle: Pixabay

Am 2. November 2018, zwei Tage bevor mein Sohn 9 Wochen alt geworden ist, bekam ich abends heftige Bauchschmerzen. So heftig, dass mein Mann mich ins Krankenhaus gefahren hat, weil einfach nichts mehr ging.

Die ganze Nacht waren wir im Krankenhaus, es stellte sich recht schnell heraus, dass meine Gallenblase entzündet war. Ich bekam einen Schmerztropf und etwas gegen die Entzündung. Morgens gegen 6 Uhr wurde ich auf Station verlegt, ich sollte mich erst mal entspannen und ausruhen – als vierte Person in einem Vierbettzimmer, wo eine Frau stöhnte und eine andere schnarchte. Entspannen, klar, kein Problem.

Ich hatte große Angst, weil ich nicht wusste, wie es weitergeht, was passiert, wie schlimm das alles wirklich ist. Ich hatte Angst um Jonas, meinen Sohn, Angst um meinen Mann, wie er im schlimmsten Fall allein mit Jonas weiterleben müsste, Angst um mich. Und in dieser Situation las ich die Tageslosung für Samstag, den 3. November 2018:

„Ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“  (Psalm 23,4)

Äh, ja. Finsteres Tal passte wohl sehr gut in meine Situation. Aber ich fürchtete mich, sehr sogar! Mein Kopf wusste, dass Gott da ist, dass er mich trägt, aber in meinem Herzen war nur Angst und Ungewissheit. Dieser Vers erschien mir wie ein Hohn…

Den Samstag über folgten weitere Untersuchungen und der Versuch, die Entzündung mit Antibiotikum in den Griff zu bekommen, Sonntag wurde dann aber doch entschieden, dass ich operiert werden sollte. Meine erste Vollnarkose und noch mehr Angst. Ich wollte beten, Gott um Beistand bitten, meine Ängste formulieren, aber da war nur Angst. Bleischwere, dunkle Angst.

Die OP lief gut, die Narkose habe ich gut vertragen, dank Schmerzmitteln waren diese auch aushaltbar. Am nächsten Tag durften mein Mann und Jonas zu mir kommen und sogar über Nacht bleiben, die Schwestern haben zusätzliche Betten organisiert und uns in ein Einzelzimmer verlegt. Diese Fürsorge für mich und mein Stillkind war super!

Wieder zu Hause konnte ich das erste Mal wieder etwas klarer denken. Und nun konnte ich auch erkennen, dass Gott wirklich da war – so viel Segen ist in dem Schlimmen passiert:

  • Die Schmerzen kamen am Freitag, meine Eltern konnten also das ganze Wochenende Jonas hüten, während mein Mann mit mir im Krankenhaus war.

  • Die Krankenschwestern haben ihr Möglichstes getan, damit Jonas bei mir sein konnte, dass ich ihn weiter stillen konnte.

  • Jonas konnte auch zu Hause weiterhin Muttermilch trinken, weil wir vorher reichlich eingefroren hatten.

  • Es war meine Gallenblase, meine Schmerzen, nicht die meines Kindes.

  • Es kam 9 Wochen nach der Geburt und nicht während der Schwangerschaft (was wohl auch nicht selten mal vorkommt).

…diese Liste lässt sich noch erweitern, aber ich denke, es ist klar, worauf das hinausläuft: ich durfte erfahren, wie Gott mich trägt, mich durch das finstere Tal begleitete und sich um alles gekümmert hat. Ja, ich hatte wahnsinnige Angst, aber ich habe auch einen Schöpfer, der sich um mich sorgt und mich umsorgt

Ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“