Leerer werden

Impuls des Monats

Quelle: https://www.westend61.de/en/imageView/VI000112/advent-calendar-with-all-little-doors-open

„...und wenn man dann ganz traurig ist, dass nichts mehr da ist, dann ist Weihnachten!“ resümiert mein 5-jähiger den Sinn eines Adventskalenders. Wie klug. Denn genau so ist es: Am Ende sich alle Säckchen geleert, alle Türchen geöffnet und alle Schokolade ist aufgegessen – und wenn man darüber fast etwas traurig werden könnte, ist das große Fest da.


In der Vorweihnachtszeit geschieht nicht alles nach diesem „leer werden“ Prinzip, im Gegenteil. Es scheint, als wenn der Rummel anwächst und die Fülle zunimmt, je näher das Fest rückt, desto größer wird der Geschenke-Turm, die Vorratsschränke füllen sich, die Terminpläne bersten von Weihnachtsfeiern, von den Keks-Kilos fange ich mal gar nicht erst an... In jedem Jahr verwundert mich wieder ein wenig, dass die Adventszeit eigentlich eine Fastenzeit ist - eine Zeit des Verzichts – denn die vier Wochen vor dem Weihnachtsfest haben in unserem Alltag damit ja überhaupt nichts mehr gemeinsam. Und trotzdem habe ich mehr denn je das Gefühl, dass es uns gut tun würde, auch im Advents Alltag das Prinzip Adventskalender pflegen: Leerer werden. Ausmisten, ruhiger werden, Termine mal sausen lassen, fasten, alleine sein. Ja, das ist schwer – aber vielleicht einen Versuch wert: sich 24 Tage lang mal bewusst fragen „Worauf verzichte ich heute?“ und „Was lasse ich heute mal weniger Raum einnehmen?“ Welchen Sinn das haben soll? In Markus 10 wird die Geschichte von einem Blinden erzählt, der auf Jesus trifft, und Jesus fragt den Mann „Was willst du, was ich dir tue?“ Die Antwort kennen wir alle. Der Mann wusste genau, was er wollte. Er steht mit einem offenbar leeren Adventskalender vor Jesus und bittet um ein kleines Wunder: Bitte sehen können! Und so nehme ich mir vor, mich in dieser Adventszeit mal fleißig in der Kunst Leerer-werdens zu üben – denn irgendwie muss ja Platz und Raum sein für ein kleines Wunder. Schließlich gilt (nach Konfuzius oder so):

„...und wenn man dann ganz traurig ist, dass nichts mehr da ist, dann ist Weihnachten!“