Freispruch statt Verurteilung

Impuls des Monats

„Erwischt du elendige Hure!“ diese Worte hallten mir noch immer im Kopf.

Ich war gerade beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt worden.

Jetzt schleifte man mich durch das Dorf und alle schrien „Ehebrecherin“, „Hure“ oder „Steinigt sie!“.

Ich hörte nur wie Einer vorschlug mich in den Tempel zu bringen wo gerade dieser Jesus sein sollte. Dem wollten sie scheinbar eine Falle stellen. Also wurde die Richtung geändert und es ging Richtung Tempel. Die Leute schrien weiter „Steinigt die Ehebrecherin“, „Keine Gnade der Hure!“.

Im Tempel stellte man mich in die Mitte und einer der Schriftgelehrten fragte diesen Jesus was nun seiner Meinung nach mit mir passieren solle, denn Moses hätte ja im Gesetz befohlen Frauen wie mich zu steinigen.

Dieser Jesus schien von dieser Frage nicht beeindruckt zu sein, kritzelte weiter mit einem Stock im Sand. Sie ließen nicht locker und wollten seien Meinung hören.

Und was dieser Jesus dann sagte werde ich nie vergessen. „Wer von euch ohne Sünde ist werfe den ersten Stein!“

In dem Moment dachte ich „Das war es und gleich fliegt der erste Stein“.

Ich traute mich nicht hoch zu schauen. Doch es passierte nichts.

Ich hob langsam meinen Kopf und schaute in die Runde. Ich sah einen der Schriftgelehrten, würde er es sein, der den ersten Stein warf? - Nein, er ließ seinen Stein auf den Boden fallen und ging, ich schaute mich weiter um und ein weiterer ließ seinen Stein zu Boden fallen und ging mit gesenktem Kopf weg. So ging es immer weiter. Alle gingen nach und nach. Ein Kind mit zum Wurf erhobener Hand wurde von seinem Vater rau mit gezerrt. Plötzlich war ich ganz allein mit diesem Jesus im Tempel. Nur er und ich. Da schaute er auf zu mir fragte „Wo sind sie geblieben deine Ankläger? Hat dich keiner verurteilt?“ Ich konnte es kaum fassen, ich stammelte „Nein, Herr, keiner!“

Da sagt Jesus nur „Ich verurteile dich auch nicht, du darfst gehen. Sündige von jetzt an aber nicht mehr!“

(Johannes 8, 2-11 aus einer etwas anderen Sicht von mir nacherzählt.)

 

Wow, was ein Blickwechsel. Die Bildzeitung würde heute wohl groß titeln „Frau beim Ehebruch erwischt! – Freispruch statt Verurteilung“.

Da war die Frau im einen Moment noch das Opfer aller und sollte getötet werde. Doch dann kommt Jesus. Er zoomt ran an das Leben der Ankläger, er sieht wie es in den Menschen aussieht, er sieht nicht nur die Fassade wo es aussieht als wären sie sündenfrei, nein er sieht mehr, er zoomt mit dem Blick in die Menschen, er sieht: Jeder von ihnen ist sündig und müsste für irgendetwas verurteilt werden. Er öffnet den Anklägern die Augen was sie da gerade tun oder vorhaben zu tun.

Schnell wird jedem klar „Ich kann hier keinen Stein schmeißen. Ich habe selbst einen Stein gegen den Kopf verdient“.

Der Schriftgelehrte, der evtl. als Kind etwas ausgefressen hat…

Der alte Mann, das Kind, der Vater, ihnen wird allen klar was sie gemacht haben und so gehen sie alle.

Ich lade euch ein in der nächsten Woche einfach mal bewusst drauf zu achten „Wo verurteile ich Leute. Und dann zoomt mal in euch rein und schaut ob ihr wirklich so viel besser seid. Ihr seid es evtl. an dem Punkt wo die andere Person es nicht ist. Aber dafür habt ihr an anderen Stellen eure Schwächen. Ich, du, wir alle!