Die bronzene Schlange

Impuls des Monats

Damals im alten Israel. Eine kleine Gruppe Menschen pilgert zum Tempel. Im Gepäck — logisch: Zahnbürste und Zahnpasta ;-) Ehrlich: Ein paar Kostbarkeiten. Als Opfergabe für ihren Gott. Zugegeben eher mitgeschleppt und mit Mühe hergebracht.

Sie kommen dem Tempel näher: sie hören schon die Schlachtbeile fallen; Grilldunst eines gerade angezündeten Brandopfers liegt in der Luft. Geschäftiges Treiben — ganz orientalisch. Bunt, laut und doch ernsthaft.

Im Tempel bemerken sie eine Gruppe Menschen, die in scheinbarer Eile ein Gerüst aufbaut. Es hämmert und knackt und ziemlich gefährlich sieht es aus: ein paar lose Etagen, nicht gesicherte Strickleitern, eine wackelige Angelegenheit.

RUMS. Das Gerüst steht noch, aber schnell bildet sich eine Menschentraube. Leute rufen durcheinander: "Wer hat das veranlasst?" "Das kann man doch nicht einfach wegreißen?!" Hier standen schon unsere Vorfahren!" "Traditionszerstörer."

Das lange Elend liegt nun unten — schrottreif.

2. Könige 18, 1-5
1 Im 3. Regierungsjahr König Hoscheas von Israel, des Sohnes Elas, trat Hiskia, der Sohn des Königs Ahas von Juda, die Herrschaft an.
2 Er wurde mit 25 Jahren König und regierte neunundzwanzig Jahre in Jerusalem. Seine Mutter hieß Abi, sie war eine Tochter Secharjas.
3 Hiskia tat, was dem Herrn gefiel. In allem folgte er dem Beispiel seines Vorfahren David.
4 Er ließ die Heiligtümer auf den Hügeln zerstören, zerschmetterte die Steine, die fremden Göttern geweiht waren, und das Standbild der Göttin Aschera. Er zerschlug auch die bronzene Schlange, die Mose einst gemacht hatte, denn die Israeliten verbrannten vor ihr immer wieder Weihrauch als Opfer. Man nannte sie Nehuschtan.
5 Hiskia vertraute dem Herrn wie kein König von Juda vor ihm und nach ihm.

Hiskia hat Mut. Das Gesetz fordert einen Gott anzubeten. Die bronzene Schlange ist das Symbol der Rettung — aus der Zeit der Wüstenwanderung. Es wird berichtet, dass die Kinder Israel auf diese Schlange blicken mussten, damit ihnen giftige Schlangenbisse nichts anhaben konnten.

Das Symbol der Rettung — was eine Hilfe zum Glauben war — verliert seine Hinweisfunktion auf Gott. Die Menschen haben angefangen den Hinweis zu verehren und nicht den, auf den der Hinweis zeigt.

Hinweise haben wir in unserem Leben: Gott schenkt uns unseren Körper — darin sind wir sein Ebenbild. Er gewährt uns Beziehungen — darin können wir wenigstens ahnen, welche Liebe Gott zu uns hat. Er schafft Glauben in uns, so dass wir uns ihm nahen, ja ihn verstehen können.

Hiskia hat richtig erkannt: Verehrt wird Gott allein. Zeichen seiner Liebe, Treue oder Rettung bekommen ihren Platz angewiesen. Sie bleiben Hinweise — auf Gott. Hiskia hat das ziemlich radikal umgesetzt. Die Schlange wurde zum Götzen — er hat sie zerstört. In seiner Klarheit ist er ein Vorbild.