Der eine lässt sich helfen, der andere tut sich schwer damit

Impuls des Monats

So schnell vergeht die Zeit und schon steht Ostern vor der Tür. Am Karfreitag wurde Jesus gekreuzigt und auf dem Weg nach Golgatha wurde ihm von einem Mann geholfen. Simon von Kyrene. 
Vielleicht waren das die Gedanken von Simon.
"Au verdammt! Meine rechte Gesichtshälfte liegt im Staub. Ich stütze mich auf die Hände und drehe meinen Kopf nach oben. Der ungeduldige, aber auch hohnvolle Blick eines römischen Offiziers trifft mich: 'Los mach schon!', bellt er mich an und verpasst mir noch einen Tritt. Ich richte mich auf: 'Du Ar...', ich muss mich zurückhalten, muss dem Drang widerstehen ihm mit geballten Fäusten ins Gesicht zu schlagen... Wie die meisten Römer genießt auch dieser es sichtlich seine Macht auszuspielen. In meinem Inneren drückt der Hass, ich bin ein Vulkan, will explodieren, doch der Speer vor meinem Gesicht zeigt mir, dass ich keine Chance habe. Die Speerspitze vor meiner Nase bewegt sich zu Seite, unweigerlich folgt ihr mein Blick. Sie zeigt runter auf ihn, den verrückten Möchtegern-Messias, der hier so viele in seinen Bann gezogen hat. Er liegt auf dem Boden, eingequetscht von den schweren Balken des Kreuzes, mit dem er getötet werden wird. Ich kann nur seinen Hinterkopf sehen. Das schwarze Haar glänzt in dunklen, dicken Strähnen vor Schweiß und Blut. Sie haben ihm einen Kranz aus Dornen auf den Kopf gedrückt. Er stinkt nach Dreck, Blut und saurem Schweiß. Sein Rücken ist zerpflügt wie ein Feld. Furchen voller Blut und Erde durchziehen sein Fleisch. Ich höre röchelnden, schweren Atem, trotz des Geschreis der Menge um uns herum. Das Holz drückt von hinten auf den Brustkorb, die Lungen können sich kaum heben und senken. 'Brauchst du eine Extraeinladung?' Der Speer schnellt wieder zu mir, sie zielt auf mein Herz. 'Los jetzt! Du trägst das Kreuz mit!' Ich bücke mich und greife unter die Balken, zwischen das Kreuz und seine Haut. Sie ist heiß und nass. Ich versuche das Kreuz hochzustemmen und auf meine Schulter zu stützen. Unter mir höre ich ein Stöhnen, als das Gewicht nicht mehr auf dem zerfleischten Rücken drückt. Er bewegt sich, dreht seinen Kopf, hebt ihn leicht an und… Sieht mir direkt in die Augen. Ich erstarre. Alles verschwindet. Der Blick. Es gibt nur noch mich und ihn. Ich werde ganz klein und bloß. Der Blick dringt mir in die Seele. Ich bin nackt. Ich bin schwach. Ich bin schutzlos ausgeliefert. Ich habe Angst - und doch will ich nicht weg. Ich kann diesen Augen kaum standhalten, will wegrennen und gleichzeitig näher zu Ihm. Ich bin hin- und hergerissen, will in Ihm versinken, denn was ich spüre ist nicht nur Blöße, sondern auch überströmende Liebe, die mich umgibt, die mich annimmt, obwohl ich ganz klein bin. Obwohl ich Ich bin. Ich fühle mich plötzlich warm und leicht. Meine Angst ist weg. Nur Frieden ist in mir. Ein Ruck. Zwei Römer reißen Ihn hoch. Er muss vor mir gehen. Ich laufe, folge Ihm nach. Ich sehe wieder seine blutigen Haare mit dem entsetzlichen Stacheln, die von seinem Kopf ragen. Ich sehe wieder die blutigen Furchen in seinem Rücken. Ich höre sein Stöhnen und rieche den Schweiß- und ich weiß: er tut es für mich! "
 

Ich wünsche Dir, ein gesegnetes Osterfest, denn Jesus lebt! Er ist auferstanden und will Dir Seine helfende Hand reichen. Es liegt an Dir diese anzunehmen.